Ozonloch und Hautgesundheit

Beim Thema Umweltschutz sind positive Nachrichten eher spärlich gesät. Umso erfreulicher ist die Botschaft, dass sich das Ozonloch wieder schließt. Langsam zwar, aber immerhin! Da die Ozonschicht unser Schutzfilter gegen die Sonnenbrand-auslösende UV-Strahlung ist, haben wir uns genauer angeschaut, wie sich die Rückbildung des „Lochs im Himmel“ auf unsere Haut und ihre Gesundheit auswirkt.

Unser Schutzschirm: Die Ozonschicht

Ozon ist ein Gas, das entsteht, wenn energiereiche UV-C-Strahlung auf Sauerstoff trifft. Dabei spaltet die UV-C-Strahlung den Sauerstoff (O2) in zwei Sauerstoffradikale und wird dabei vollständig absorbiert. Die reaktionsfreudigen Sauerstoffradikale verbinden sich mit anderen Sauerstoffmolekülen, wodurch Ozon (O3) entsteht.
Das Schöne an der Ozonschicht ist: Sie funktioniert wie ein Filter und schützt vor einem Übermaß an Ultravioletter Strahlung (UV-Strahlung). Diese unsichtbaren Strahlen sind zwar lebensnotwendig, können jedoch bei zu hohen Konzentrationen zur Gesundheitsgefahr werden.

Unsichtbare Strahlen

Solare Ultraviolettstrahlung ist elektromagnetische Strahlung, die zum nicht sichtbaren Bereich des Lichts zählt. Da sie auch mit keinem anderen menschlichen Sinn wahrnehmbar ist, fällt es uns mitunter schwer, uns gegen sie zu schützen.

Infografik zu UV-Strahlung und Ozonschicht
Die Ozonschicht schützt uns vor UV-B und UV-C Strahlung

 

Ozonloch und Hautgesundheit

In den 1970er und 1980er Jahren kam es zu einem massiven Ozonschwund, der durch eine hohe Belastung der Atmosphäre mit Chlorverbindungen wie etwa FCKW, aber auch durch bestimmte klimatische Bedingungen ausgelöst wurde (mindestens ein Drittel des Ozonrückgangs lässt sich auf die Sonnenaktivität und atmosphärischen Faktoren zurückführen). Seither treten über der Antarktis regelmäßg Werte unter 200 Dobson Units auf, die als Ozonloch bezeichnet werden.1 Auch über der arktischen Polarregion kommt es regelmäßig zu Ozonverluste um 20 bis 25 %. Zeitweise können die Verluste auch auf bis zu 60 % steigen.2 Punktuell erreichten Ausläufer des Ozonlochs auch schon den Norden Deutschlands: Im März 1996 sowie im Frühjahr 2005 wurden niedrige Werte um 200 Dobson Units gemessen.3

Der Ozon-Schutzschirm erhohlt sich langsam
Aktuell scheint sich die Ozonschicht zu erhohlen. Doch sie ist noch anfällig und kann leicht wieder kritische Werte erreichen. Quelle: Bayerisches Landesamt für Umwelt – Ozonschicht und Ozonloch.

 

Solche extrem niedrigen Ozonwerte sind zum Glück seltener geworden. Insgesamt ist der Ozongehalt jedoch weltweit signifikant gesunken. So kam es beispielsweise in Bayern in den vergangenen 40 Jahren zu einem Rückgang von etwa 10 Prozent. Dies führte zu einem durchschnittlichen Anstieg der UV-Strahlung um etwa 15 Prozent.4

Ozonloch und Hautkrebs – das dicke Ende kommt noch

Wie sich der Anstieg der UV-B-Belastung auf die konkret auf die Hautgesundheit auswirkt, ist schwer zu sagen. Viele epidemiologische Studien haben jedoch den Zusammenhang von solarer UV-Strahlung und der Entstehung von Hautkrebs gezeigt. Seit den 1960er Jahren nehmen Erkrankungen an  malignem Melanom (schwarzer Hautkrebs) bei hellhäutigen Menschen jährlich um 3 bis 7 % zu. Dieser Anstieg lässt sich jedoch nicht allein auf die erhöhte UV-Konzentration zurückführen. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch das veränderte Sonnenverhalten in der Gesellschaft: Die Menschen unternehmen mehr Urlaubsreisen in den Süden und gebräunte Haut liegt ebenso im Trend wie leichte, wenig schützende Bekleidung. Auch der demografische Wandel mit einer alternden Gesellschaft spielt beim Anstieg der Erkrankungen eine Rolle.

Obwohl diese einzelnen Faktoren extrem schwer zu trennen sind, hat ein Forschungs-Team um den niederländische Strahlenexperte Harry Slaper ein Model zur Berechnung des Zusammenhangs zwischen erhöhter UV-B-Strahlung und Hautkrebsrate entwicklet. Diesem Model zufolge wird die Ozonloch-verursachte Hautkrebsrate 2050 ihren Höhepunkt erreichen und danach allmählich wieder absinken. Schätzungen des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) zufolge wird der Peak in der europäischen Bevölkerung zwischen 2050 und 2075  erreicht. Konkret wird mit 100 zusätzlichen Hautkrebsfällen pro 1 Millionen Menschen pro Jahr gerechnet, die auf den Ozonrückgang zurückzuführen sind.5

Konkret bedeutet das: Auch wenn sich die Ozonschicht langsam stabilisiert, scheint uns das dicke Ende noch bevorzustehen, weil die schädlichen Chlorverbindungen in der Atmosphäre extrem langlebig sind. Forscher gehen davon aus, dass sich die Ozonschicht nur langsam erhohlen wird und die UV-B-Werte erst gegen 2050 wieder das Niveau von 1970 erreicht haben werden.Dehalb sollten wir die Sonnen weiterhin maßvoll und hauttyp gerecht genießen. Wie das am besten geht, könnt ihr euch in diesen beiden Beiträgen anschauen: Sonnenbaden Tipps & Tricks & 3 Schritte um Sonnencreme richtig anzuwenden.

 

Was UV-A und UV-B-Strahlung mit unserer Haut macht

Sonnenstrahlen sind natürlich nicht nur Risikofaktoren für Hautkrebs, sondern bewirken sehr viel mehr auf & in unserer Haut. Wichtig ist es mir dabei zu betonen, dass Sonnenstrahlen nicht nur negative Auswirkungen haben, sondern – in richtigem Maße genossen – wichtig für die Gesundheit und für die gute Laune sind!

So wirken UV-A-Strahlen:

  • dringen als langwellige Strahlung am tiefsten in die Haut (können bis zu den Zellen der Dermis vordringen)7
  • bräunen, bauen aber keinen Lichtschutz auf (Bräune entsteht durch Umverteilung schon vorhandenen Pigments)8
  • Auslöser für Sonnenallergie (polymorphe Lichtdermatose) mit fleckigen Hautrötungen, Blasen und Knötchen mit Juckreiz9
  • lassen freie Radikale entstehen, die das Kollagen im Bindegewebe schädigen und dessen Neubildung verhindern (Faltenbildung, Elastizitätsverlust)10
  • indirekte DNA-Schädigung durch Bildung freier Radikaler, die mit der DNA reagieren & Hautkrebsrisiko erhöhen11

So wirken UV-B- Strahlen:

  • gelangen als kurzwellige Strahlen nicht so tief in die Haut, können aber in die Epidermis eindringen12
  • führen als energiereiche Strahlung bei geringer Dosierung zur Verdickung der obersten Hautschicht (Lichtschwiele), sodass natürlicher Hautschutz entsteht13
  • sind erforderlich für die Bildung von Vitamin D14
  • sorgen für den Neuaufbau von Pigmenten, lassen Hautbräune entstehen15
  • verursachen bei übermäßiger Dosierung Verbrennungen (Sonnenbrand)16
  • können Proteine denaturieren und Kollagenfasern der Haut zerstören (beschleuningt Hautalterung)17
  • können Strangbrüche in der DNA verursachen & Hautkrebsrisiko erhöhen18

UV-C-Strahlen werden vollständig absorbiert und können die Haut nicht erreichen

 

Achtung: Ein großer Teil der UV-Strahlung, die ins Auge eindringt, wird von der Augenlinse aufgenommen. Dadurch kann es zur Entwicklung von grauem Star (Katarakt) kommen.19 UV-A-Strahlung dringt bis zur Netzhaut vor. Deshalb wird sie mit Netzhautveränderungen & Makuladegeneration (Makula = Gelber Fleck), die zu einem Verlust der Sehschärfe führen, in Verbindung gebracht.20 Deshalb besonders in reflektierender Umgebung wie z.B. im Schnee oder auf dem Wasser die Sonnenbrille nicht vergessen!

Entdeckung des Ozonlochs – ein Rückblick

Wir erinnern uns: Im Jahr 1974 stellte ein Forscherteam im Fachmagazin „Nature“ erstmals die These auf, dass Fluorchlorkohlenwasserstoff (FCKW) eine Ausdünnung der Ozonschicht bewirkt. Bestätigt wurde die Theorie zwölf Jahre später, als 1986 ein Forscherteam des „British Antarctic Survey“ ein saisonales „Loch“ in der Ozonschicht, das sogenannte Ozonloch, über der Antarktis entdeckte. Hauptursache für den Rückgang der Ozonschicht waren tatsächlich chemische Abbauprozesse, die durch das Treibgas FCKW und andere Substanzen ausgelöst werden. Vor dem Drohszenario einer gefährlich hohen UV-Strahlung wurde 1987 im Rahmen des “Montreal Protokolls” beschlossen, die Verwendung dieser Substanzen drastisch zurückzufahren. Mit Erfolg: Bis 2004 konnte der Einsatz von FCKW weltweit um 95 % gesenkt werden.

 

  1. Bayerisches Landesamt für Umwelt: Ozonschicht und Ozonloch
  2. Welt der Physik: Das Ozonloch
  3. Bayerisches Landesamt für Umwelt: Ozonschicht und Ozonloch
  4. ebd.
  5. WHO: Climate change and stratospheric ozon depletion
  6. Bayerisches Landesamt für Umwelt: Ozonschicht und Ozonloch
  7. Dermatologikum Hamburg: Sonne und Strahlung
  8. ebd.
  9. Bundesamt für Strahlenschutz: Akute Schädigungen der Haut
  10. Bundesamt für Strahlenschutz: Langfristige Wirkungen
  11. DocCheck Flexikon: UV-Strahlung
  12. Dermatologikum Hamburg: Sonne und Strahlung
  13. ebd.
  14. ebd.
  15. ebd.
  16. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit: UV-Strahlung und Ozonschicht
  17. DocCheck Flexikon: UV-Strahlung
  18. ebd.
  19. Bundesamt für Strahlenschutz: Langfristige Wirkungen
  20. ebd.

2 Kommentare

  1. Eine Frage: Bei einem Mineralpuder, das durch die Verwendung von Zinkoxid und Titandioxid einen SPF von 30 erreicht, muss ich doch davon ausgehen können, dass das auch einen gewissen UVA Schutz bietet, oder? Ist die Angabe des SPF auch rechtlich geregelt? LG Vio

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