Was ist eigentlich Naturkosmetik?

Beitragsbild zum Blogeintrag "Was ist Naturkosmetik und wie kann man sie erkennen?"

Früher fristete Naturkosmetik ein eher unspektakuläres Dasein – irgendwo zwischen Dinkelkörnern, Tofu und Brennnesseltee – auf jeden Fall fernab von Glamour und Schick. Wer sich – ohne mit der Wimper zu zucken – die Pasten von bisweilen ölig-klebriger Konsistenz ins Antlitz cremte, gehörte einer alternativen Minderheit an, die von der breiten Masse oft nur spöttisch belächelt wurde. Doch gemeinsam mit dem Nachhaltigkeitsgedanken kroch auch die Naturkosmetik aus ihrer einstigen Nische und lancierte zum Lifestyle-Produkt.

Die Gründe dafür sind vielfältig: Inzwischen finden 90 Prozent der Deutschen Umweltschutz wichtig1 und greifen deshalb lieber zu natürlichen Produkten, was dem Naturkosmetikmarkt zuletzt zweistellige Wachstumsraten bescherte2. Auch die Sorge vor chemisch-synthetischen Inhaltsstoffen lässt viele Verbraucher zu natürlichen Alternativen greifen. Immerhin enthält fast jeder dritte Kosmetikartikel Bestandteile, die als hormonell wirksam eingestuft werden. Dies ergab eine Studie des BUND, in der 60.000 Produkte auf 15 verschiedene Chemikalien untersucht wurden. Produkte der Marktführer Beiersdorf (z.B. Nivea) und L’Oréal seien mit 46 % bzw. 45 % überdurchschnittlich oft belastet gewesen. Naturkosmetik hingegen, so das Ergebnis der Studie, kommt in der Regel ohne diese bedenklichen Inhaltsstoffe aus.3
Wer also nicht nur seine Haut, sondern auch die Umwelt vor Hormoncocktails schützen will, kann auf Produkte aus natürlichen Rohstoffen ausweichen. Doch was versteht man überhaupt unter dem Begriff „Naturkosmetik“? Und wie unterscheidet sie sich von „naturnaher“ Kosmetik?
hautTATSACHEN möchte mit diesem Beitrag etwas Licht in den Definitionsdschungel bringen. Außerdem möchten wir euch ein paar Tipps geben, auf was ihr beim Kauf von „echter“ Naturkosmetik achten solltet, damit tatsächlich immer nur die Guten ins Töpfchen kommen!

Naturkosmetik – ein Definitionsvakuum

Als Verbraucher sind wir klare Angaben gewohnt. Nahrungsmittel dürfen sich etwa nur dann „bio“ nennen, wenn sie die gesetzlich festgelegten Kriterien der EU erfüllen. Die Definition von „Natürlichkeit“ bei Kosmetikartikeln hingegen bleibt jedem selbst überlassen. D.h. Hersteller dürfen auch dann mit Mutter Natur werben, wenn ihre Produkte nur verschwindend geringe Mengen an natürlichen Inhaltsstoffen enthalten.
Als Folge dieser Definitionslücke schlossen sich Hersteller zu Verbänden zusammen (z.B. BDIH COSMOS, NaTrue, ICADA), die selbst:

  • Standards für Bio- und Naturkosmetik definieren
  • Produkte nach diesen Kriterien prüfen
  • Label vergeben

Weil es jedoch unterschiedliche Verbände und Hersteller gibt, die jeweils eigene Standards festlegen, gibt es inzwischen auch unterschiedliche Naturkosmetik-Definitionen, die sich in Details unterscheiden.
Manche legen fest, dass bestimmte Rohstoffe aus kontrolliert biologischen Anbau stammen müssen, andere überprüfen neben den Inhaltsstoffen die Nachhaltigkeit der Packmittel oder fordern Maximal- oder Minimal-Gehalte bestimmter Inhaltsstoffe. Es gibt sogar Experten, die der Auffassung sind, dass es „zu spät“ sei, um noch eine amtliche Definition einzuführen, da sich der Naturkosmetikmarkt schon zu sehr differenziert und etabliert habe.4
Trotz aller Unterschiede hat sich jedoch eine gemeinsame Linie herausgebildet, was die allgemeine Einteilung betrifft: Die Einteilung in klassische Kosmetik, naturnahe Kosmetik und Naturkosmetik.

Einteilung in klassische Kosmetik, naturnahe Kosmetik und Naturkosmetik

Klassische Kosmetik

Zur klassischen Kosmetik zählen alle Produkte, die nach der EU-Kosmetikverordnung gesetzlich erlaubt sind. Da auch chemisch-synthetische Bestandteile zum Einsatz kommen, steht der klassischen Kosmetik eine viel größere Auswahl an Inhaltsstoffen zur Verfügung als der Naturkosmetik. Mehr Freiraum bedeutet jedoch auch, dass Inhaltsstoffe eingesetzt werden dürfen, die unter dem Verdacht stehen, der Gesundheit oder der Umwelt zu schaden.
Markenbeispiele: L`Oréal, Eucerin, Nivea, Garnier, Dove, Sebamed, Vichy u.a.5

 

Naturnahe Kosmetik

Unter dem Begriff „naturnahe Kosmetik“ werden Produkte zusammengefasst, deren Inhaltsstoffe teilweise natürlich sind oder die auf bestimmte synthetische Roh- und Inhaltsstoffe verzichten. In diese Kategorie fallen auch sogenannte „White-label-Produkte“ die als „frei von …“ gekennzeichnet sind. Doch auch wenn diese Produkte auf Inhaltsstoffe wie Parabene (Konservierungsmittel), gentechnisch veränderte Rohstoffe, Mineralöl & Co verzichten, oder gewisse Anteile natürlicher Rohstoffe einsetzen, können sie nach keinem der bekannten Naturkosmetikstandards (z.B. BDIH, COSMOS, NaTrue, EcoCert, ect.) zertifiziert werden, weil sie Rahmenrezepturen oder einzelne Inhaltsstoffe verwenden, die nicht zugelassen sind.
Auch im Verpackungsdesign und Image orientiert sich naturnahe Kosmetik oft an Naturkosmetik, um vom boomenden Natürlichkeitstrend zu profitieren.
Markenbeispiele: The Body Shop, Yves Rocher, Nuxe, Caudalie, Medipharma Olivenölpflege, Origins, Nivea pure & natural u.a.6

 

Naturkosmetik

Unter „Naturkosmetik“ versteht man Produkte, die nach einem Standard der unterschiedlichen Verbände (BDIH, COSMOS, NaTrue, etc.) geprüft wurden und deren Label tragen (zertifizierte Naturkosmetik). Aber auch Marken, die zwar nicht nach einem Standard zertifiziert sind, deren Produkte aber trotzdem durch Kontrollinstitute geprüft sind (Naturkosmetik mit Kontrollsiegel) und den Kriterien der Vivaness (Leitmesse für Naturkosmetik) entsprechen, werden zur Naturkosmetik gezählt.
Außerdem wird auch die „Reformkosmetik“, also Kosmetik, die den „neuform-Richtlinien“ (Vereinigung deutscher Reformhäuser) entspricht, zur Naturkosmetik gezählt, weil der aktuelle Stand mit dem BDIH und dem NaTrue-Standard abgeglichen und harmonisiert wurde.
Markenbeispiele: Weleda, Dr. Hauschka, Logona, Lavera, Primavera, u.a.7

Wir müssen leider draußen bleiben – was Naturkosmetik nicht enthalten darf

Die Leitmesse „Vivaness“ hat klare Kriterien festgelegt8, die mindestens erfüllt sein müssen, damit ein Produkt den Namen „Naturkosmetik“ zu Recht trägt. Damit ihr euch besser vorstellen könnt, was ihr euch und eurer Haut erspart, haben wir diese Kriterien für euch aufgelistet. Für Naturkosmetik gilt:

  • Keine Gentechnik – weder in den Rohstoffen noch bei der Herstellung (z.B. mithilfe von gentechnisch veränderten Mikroorganismen)
  • Keine radioaktive Bestrahlung
  • Stark limitierter Einsatz von synthetischen Inhaltsstoffen (Hilfsstoffe, Wirkstoffe und Lichtschutzfilter). Unter synthetischen Inhaltsstoffen versteht man Stoffe, deren Kohlenstoffanteil nicht vollständig aus nachwachsenden Rohstoffen besteht.
  • Keine EDTA-Komplexbildner, Glutaraldehyd, Formaldehyd, Formaldehydabspalter (bei diesen Inhalten handelt es sich um Konservierungsstoffe)
  • Keine Halogenorganische Verbindungen (antimikrobielle Konservierungsstoffe)
  • Keine Synthetische Fette, Öle, Wachse oder Silikone
  • Keine Inhaltsstoffe auf Mineralölbasis
  • Keine Aromatische Amine (Farbstoff), Ethanolamine und -derivate (pH-Wert-Stabilisator)
  • Umweltschonende Herstellung und Verarbeitung (nach dem besten Stand der Technik)

Wie ihr Naturkosmetik erkennen könnt

Am einfachsten ist Naturkosmetik immer dann zu erkennen, wenn sie zertifiziert und mit einem der entsprechenden Label gekennzeichnet ist.  Zu den bekanntesten zählen:

Da die Label-Nutzung mit Kosten verbunden ist, verzichten manche Unternehmen auf eine Zertifizierung, obwohl ihre Produkte den Kriterien echter Naturkosmetik entsprechen. Häufig führen solche Unternehmen die INCI (Liste der Inhaltsstoffe) in der Landessprache auf, so dass sich die Verbraucher besser daran orientieren können.

Kleine Helfer:

Und solltet ihr bezüglich hormonell wirksamen Chemikalien in Kosmetikprodukten im Zweifel sein, hilft euch der „ToxFox“, die kostenlose App des BUND.9 Hier könnt ihr über 60.000 Produkte checken. Bisher gibt es die App nur für iOS-Geräte. Nutzer anderer Geräte können den Kosmetik-Check jedoch über die mobile Seite des BUND machen .10 

Auch auf “Label Online“, einer Seite der VERBRAUCHER INITIATIVE e. V., der Bundesverband kritischer Verbraucherinnen und Verbraucher. Hier werden Produkt-, Dienstleistungs- und Management-Label nach einer einheitlichen Matrix bewertet.11

Quellen:

  1. TAZ: „Grüne müssen keine Angst haben“.
  2.  VIVANESS 2012: Naturkosmetik boomt weltweit. Presseinformation Juli 2011
  3. BUND-Studie: der Kosmetik-Check
  4. Dr. Banzhaf, Jochim: “Raus aus dem Label-Dschungel”. (S. 4)
  5. Aus dem Naturkosmetik-­Jahrbuch 2013. (S. 43). Hrsg.: naturkosmetik­verlag e.dambacher
  6. Aus dem Naturkosmetik­-Jahrbuch 2013. (S. 43). Hrsg.: naturkosmetik­verlag e.dambacher
  7. Stiens, Rita: “Die Wahrheit über Naturkosmetik”. (S. 63). Ankum 2013
  8. VIVANESS: Unterlagen für Direktaussteller. (S. 4)
  9. BUND: ToxFox – der Kosmetik Check
  10. BUND: ToxFox – der Kosmetik-Check
  11. Label-online

2 Kommentare

  1. Ich bin noch Neuling im Bereich der Naturkosmetik und bin sehr froh, dass sich nette Leute schon vor mir und seit langer Zeit mit dem Thema beschäftigen und tolle Tipps haben :-). Dieser Artikel ist ein super Einblick für mich! Danke!

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