Vitamin E – Liga der außergewöhnlichen Hautpflegestoffe

Vitamin E (Tocopherol) ist ein Zellschutzvitamin, dass die Körperzellen vor aggressiven Sauerstoffverbindungen (freien Radikalen) schützt. Und zwar so effektiv, dass es zu den wichtigsten Radikalenfängern des menschlichen Organismus zählt. Unsere Haut profitiert davon ganz besonders, denn Vitamin E hilft ihr mit den Schäden fertig zu werden, die ihr größter Feind, die UV-Strahlung, auslöst. Damit spielt Vitamin E ganz oben in der Liga der außergewöhnlichen Hautpflegestoffe. Bis zu diesem Punkt sind sich die Experten einig. Doch wenn es darum geht, welche Trägersubstanz (O/W, W/O, oder Gel) Vitamin E am besten in die Haut schleust oder welche Konzentration für einen Wirkeffekt nötig ist, streiten sich die Minimalisten mit der „Viel-hilft-viel-Fraktion“.

Doch bevor wir die kontrovers diskutierten Positionen in einer epischen Schlacht gegeneinander antreten lassen, haben wir die Basisfakten zu Tocopherol in einer Infografik vereint.

kosmetische Wirkung von Vitamin E
Tocopherol – der Kosmetik-Superstar

 

Und jetzt: Arena frei für Tocopherol vs. Tocopherol!

Vitamin E, das als Tocopherol deklariert wird, ist antioxidativ und dient vor allem dem Schutz des Produkts. Tocopherolacetat (INCI: Tocopheryl Acetat) ist der hautpflegende Wirkstoff. Der Grund: Natürliches Tocopherol ist instabil. Deshalb werden in kosmetischen Formulierungen die stabileren Esterformen (z.B. Tocopheryl Acetate, Tocopheryl Palmitate) eingesetzt.1

Gegner sagen: Nein! Zwar ist Tocopherolacetat besonders gebräuchlich, aber neben der hautpflegenden Wirkung und dem Sonnenschutzfaktor 2 verfügt es nicht über antioxidative Eigenschaften – anders als fälschlicherweise häufig behauptet wird. Denn durch die Veresterung wird die Elektronenaufnahme / -abgabe – und damit die antioxidative Wirkung – verhindert.2

Befürworter sagen: Doch! Zwar besitzt Tocopherolacetat tatsächlich keine antioxidative Aktivität. Doch es kann über die Hornschicht in die Haut eindringen und dort zu freiem Tocopherol umgewandelt werden. In wässrigen Lösungen können bis zu 50 % der eingesetzten Tocopherolacetat-Menge zu Tocopherol umgesetzt werden.3

Gegner: Naja, aber nur in wässrigen Lösungen. Denn in Ölzubereitungen verbleiben mehr als 95 % des Tocopherolacetats auf der Haut.4

 

Die Menge macht´s! Enthält ein Präparat weniger als 2% Vitamin E, kann es seine Zellschutzwirkung nicht entfalten.

Befürworter sagen: Genau! Es gibt Hinweise, dass vor allem hoch konzentriertes Vitamin E in tiefere Hautschichten dringen kann.6 Deshalb werden in therapeutischen Produkten auch Konzentrationen von bis zu 20 oder 25 % beschrieben.7

Gegner sagen: Quatsch! Einsatzkonzentrationen von 1 bis 2 Prozent haben sich als ausreichend erwiesen.8 Im Gegenteil: Zu hohe Vitamin-E-Konzentrationen sind prooxidativ, d.h. sie können die antioxidative Wirkung ins Gegenteil verkehren.9
Allerdings räumen auch Gegner ein: Wenn Tocopherol so ziemlich am Ende der INCI-Liste steht (hinter der 1-Prozent-Grenze), dient es meist nur zum Schutz des Produkts (Produktstabilität) und hat keine hautpflegende Wirkung!10

 

Ob Vitamin E wirken und in die Hautschichten transportiert werden kann, hängt vom Emulsionstyp (O/W, W/O, Gel) ab.

Gegner sagen: Nein, der Emulsionstyp spielt keine wichtige Rolle. Entscheidend ist das Emulsifiersystem, also wie das Vitamin E gelöst oder eingekapselt wurde.11

Die Befürworter sagen: Doch! In Kurzzeitanwendungen (Messung nach 30 Minuten) sind hyrophile Emulsionen (O/W) besser geeignet, um Vitamin E in die Haut zu transportieren. Mit lipophilen Emulsionen (W/O) ist lässt sich die Tocopherolacetat-Konzentration bei längerer Anwendung (Messung nach 300 Minuten) verbessern. Durch Mikroemulsionen oder Nanopartikel lässt sich bei beiden Emulsionstypen kein verbessertes Eindringen in die Haut feststellen.12

 

Übrigens, einig sind die Experten darin, dass Vitamin E und Vitamin C eine ideale Kombination darstellen, weil dadurch die antioxidative Gesamtkapazität erhöht wird.13

Quellen / zum Weiterlesen

  1. R. Stiens: Die Wahrheit über Kosmetik. S. 151. Ankum 2013
  2. Gustav Parmentier GmbH: Vitamin E
  3. Lebensmittelchemische Gesellschaft: Datenblätter zur Bewertung der Wirksamkeit von Wirkstoffen in kosmetischen Mitteln.
  4. Ebd.
  5.  Leitlinie der Gesellschaft für Dermopharmazie: Hautalterung
  6. Aponet: Vitamin E hilft trockener Haut.
  7. Lebensmittelchemische Gesellschaft: Datenblätter zur Bewertung der Wirksamkeit von Wirkstoffen in kosmetischen Mitteln.
  8. Olionatura: Tocopherol
  9. Ebd.
  10. R. Stiens: Die Wahrheit über Kosmetik. S. 151. Ankum 2013
  11. Lebensmittelchemische Gesellschaft: Datenblätter zur Bewertung der Wirksamkeit von Wirkstoffen in kosmetischen Mitteln.
  12. Olaf Hölsken: Zur Vehikelabhängigkeit der Penetration von α-Tocopherolacetat in die menschliche Haut
  13. Leitlinien der Gesellschaft für Dermopharmazie: Hautalterung

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2 Kommentare

  1. Sehr schön, wie offen hier mit gegensätzlichen Meinungen zum Thema Vit. E umgegangen wird. Keine vorgekaute, einseitige Meinung.
    Das hat einen seriösen, fast schon wissenschaftlichen Charakter. Sogar mit kleinem Literaturverzeichnis. Sehr selten an den freien Stellen des Internets.
    Ansonsten ausreichend informativ, jeder hat die Möglichkeit, sich noch weiter mit dem Thema zu befassen und sich dann eine eigene, damit fundiertere Meinung zu bilden.
    Auch wenn es ein wenig Zeit kostet: denken tut nicht weh!

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