Überpflegte Haut – richtig reagieren

Was würdet ihr machen, wenn ihr beim morgendlichen Blick in den Spiegel im Mundbereich eine rote Stelle entdeckt? Wahrscheinlich mit der üblichen Tagespflege eincremen, Make-up drauf, und gut. Was, wenn das aber genau das Falsche ist?!

Manchmal ist unsere Haut wie eine Katze – sie liebt es gepflegt, gehegt und verwöhnt zu werden. Doch dann kommt wie aus dem Nichts der Punkt, an dem plötzlich alles zu viel ist: Katzen gehen ohne Vorwarnung von genüsslichem Schnurren in genervtes Fauchen über. Und unsere Haut rächt sich mit Rötungen, Bläschen und Pickeln. Diese Warnzeichen sollte man ernst nehmen. Denn unsere Haut zeigt uns unmissverständlich, dass wir es übertrieben haben: “Ich bin übepflegt!” lautet die Botschaft.

Überpflegte Haut: Ursachen

Wird munter weitergecremt, gereinigt und überdeckt, kann sich der Ausschlag vom Mundbereich über die Nasenpartie bis hin zu den Augenlidern und der Stirn ausbreiten. Diese Intoleranzreaktion der Gesichtshaut wird als Überpflegte Haut oder auch als Periorale Dermatitis bezeichnet.

Die Ursache dieser Erkrankung ist bisher noch nicht genau bekannt. Doch man weiß, dass zu häufige oder falsche Pflege zur ihrer Entstehung beitragen.1 Denn übermäßige Pflege lässt die Haut chronisch überfeuchten. Dabei quillt die Hornschicht (Stratum corneum) auf und die natürliche Barrierefunktion wird gestört. Drei Faktoren scheinen bei der Entstehung eine Rolle zu spielen:

  1. Werden dauerhaft hauteigene Lipide und Eiweiße durch aggressive Reinigung ausgewaschen, fehlt der “biologische Kleber”, der die Hornzellen abdichtet.2
  2. Durch übermäßige Pflege scheint die Haut die Fähigkeit zur Lipid-Neubildung zu verlieren.3
  3. Durch die Überfeuchtung und die veränderte Hautlipid-Zusammensetzung können sich Keime ansiedeln und Hautinfektionen werden begünstigt.4

Ist die hauteigene Schutzschicht geschwächt, verliert die Haut mehr Feuchtigkeit, spannt, juckt und wird schneller trocken. Das weckt natürlich das Bedürfnis, die Haut von außen zu befeuchten und schnell nachzucremen. Hier entsteht ein richtig gemeiner Teufelskreis, der zwar nicht gefährlich, aber höchst unangenehm ist!

Periorale Dermatitis

Wer leidet unter überpflegter Haut?

Bei überpflegter Haut handelt es sich in erster Linie um ein Frauenproblem. Vor allem Make-up Liebhaberinnen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren sind betroffen. Denn obwohl periorale Dermatitis keine Make-up-Allergie ist, trägt doch das tägliche Auftragen und Abwaschen der zweiten Haut zur Irritation der Barriereschicht bei.3

Natürlich können aber auch Männer und  Kinder betroffen sein: Rund 2- 5 % der an Perioraler Dermatitis Erkrankten sind Kinder.3 Gerade bei junger Haut scheint die Erkrankung durch übermäßige Pflege wohlmeinender Eltern begünstigt zu werden.

Nulltherapie: Augen zu und durch

Wenn sich überpflegte Haut wehrt, kann es zwar ganz schön unangenehm werden. Doch gefährlich ist die Hauterkrankung zum Glück nicht. Meist heilt sie nach mehreren Wochen ohne Narbenbildung ab.5 Voraussetzung ist allerdings, dass man ihr Ruhe gönnt und sich die natürlichen Funktionen wieder einpendeln können. Deshalb lautet die Empfehlung, auf sämtliche Pflegeprodukte zu verzichten und die Haut nur noch mit klarem Wasser zu waschen. Was sich so einfach sagt, ist im Alltag oft gar nicht leicht umzusetzen. Denn in den ersten beiden Wochen kann sich das Hautbild zunächst verschlechtern. Hinzu kommt, dass die Haut oft juckt, spannt und sich unangenehm trocken anfühlt. Und nicht zuletzt fühlen sich viele Frauen ohne Make-up regelrecht nackt. Hier ist ziemlich viel Selbstdisziplin gefragt.

Erleichterung können Schwarztee-Kompressen verschaffen. Die darin enthaltenen Gerbstoffe wirken entzündungshemmend und lindern das Spannungsgefühl. Diese können 1 bis 2 mal pro Tag für etwa 10 Minuten auf die betroffenen Stellen aufgelegt werden. Wer die Nulltherapie gar nicht aushält, kann sich auch mit fettarmen, feuchtigkeitsspendenden Cremes behelfen.

Wichtig: Diese Cremes sollten möglichst frei von hautbelastenden Emulgatoren, Parabenen und Duftstoffen sein. Wenn die entzündliche Hautirritation nicht abklingen will, kann in bestimmten Fällen auch eine Antibiotikabehandlung erforderlich sein.1

Doch meist genügt eine Ruhepause, um die Haut wieder zum Schnurren zu bringen!

Alle Infos zu überpflegter Haut haben wir in gewohnter hautTATSACHEN-Manier wieder in einer Infografik zusammen gefasst. Viel Spaß damit!

Periorale Dermatitis, Mundrose, Stewardessenkrankheit
Download Infografik als PDF

 

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7 Kommentare

  1. Ich lede seit 4 Wochen unter einer Periorale Dermatitis. Mache jetzt seit 2 Wochen eine Nulldiaät, jedoch habe ich das Gefühl es ist schlimmer geworden und spannt extrem weil die Haut an den stellen sehr trocken ist. Ich benutze nur etwas dünnes mineralmakeup ohne öl, da ich leider beruflich im Kosmeitkberich tätig bin und da spielt das äußere Erscheinungsbild eine große Rolle. Um das abends wieder zu entfernen, reicht leider nicht nur Wasser aus. Ich benutze die Totes Meer Mineralschlammseife zum abwaschen! Gibt es noch eine Alternative? Möchte jetzt auch nicht wieder soviel rum testen und meine haut über strapazieren. Danach überhaupt keine Creme, nur etwas thermalwasser zum beruhigen. Und morgens nach dem aufstehen auch nur klares Wasser und thermalwasser. Ab und zu habe ich jetzt noch tagsüber mal Schwarzteekompressen drauf gelegt.
    Liebe Grüße

    1. Liebe Ina,
      so eine Nulldiät ist echt nicht leicht, gerade weil es erst mal zu einer Verschlechterung kommt. Das berichten alle Betroffenen, aber auch medizinische Fachkosmetikerinnen oder Dermatologen. Nach vier bis sechs Wochen sollte sich deine Haut wieder normalisiert haben. Ich denke, dass du mit Mineralmake-up, Mineralschlammseife und Thermalseife alles richtig machst und deiner Haut nicht zu viel zumutest. Falls deine Haut aber nicht besser wird oder das Ganze zu unangenehm wird, kannst du dich hautärztlich oder fachkosmetisch beraten lassen. In manchen Fällen kann z.B. auch eine Behandlung mit örtlich wirksamen Antibiotika nötig sein.

      Gute Besserung – und halt die Ohren steif :)
      Dein hautTATSACHEN-Team

  2. Darf man trotz POD Mineralpuder verwenden? Darf dieses einen Hauch von Jojobaöl/Neutralöl enthalten, wenn die trockene pudrige Konsistenz erhalten bleibt? Ist zum Abnehmen des Mineralpuders ein mildes Reinigungsgel oder Reinigungsmilch empfehlenswert, wenn man vom Hauttyp Seborrhoe Sicca ist?

    1. Liebe Vio,
      die Faustregel bei überpflegter Haut lautet: Lass nichts an deine Haut außer Luft und Wasser! Aber wer will schon mit geröteter, schuppiger Haut unter Leute gehen?! Auf “der blasse Schimmer” bin ich auf einen Erfahrungsbericht gestoßen, bei dem Mineralpuder nach nur einer Woche Abstinenz verwendet und sehr gut vertrage wurde.
      Als reines Naturprodukt ist Mineralpuder natürlich gerade für gereizte und empfindliche Haut besonders gut geeignet. Auch mit Jojobaöl machst du eigentlich nichts falsch, denn es ist antiallergen und eignet sich für alle Hauttypen. Dasselbe gilt für Neutralöl: Da es keine kosmetisch aktiven Fettbegleitstoffe wie Phospholipide, Phytosterole, Tocopherole, etc. enthält, kann es dabei helfen, gereizte & überpflegte Haut wieder ins Gleichgewicht zu bringen.
      Da bei Seborrhoea sicca die Hautbarriere gestört ist, würde ich auf jeden Fall eine möglichst sanfte, tensidfreie Reinigung empfehlen. Ich kann mir vorstellen, dass eine leicht rückfettende Reinigungsmilch milder und damit besser geeignet ist. Da aber jede Haut anders reagiert und die Verträglichkeit außerdem stark von den Inhaltsstoffe des jeweiligen Produkts abhängt, kann ich dir als “Ferndiagnose” natürlich keine 100%-ige Antwort geben.

  3. Ich denke, dass viele Menschen einfach nicht wissen, was die richtige Pflege für Ihre Haut ist. Deswegen würde ich allen raten sich eine richtige Hautanalyse (Anmerkung: Link von hautTATSACHEN gelöscht) machen zu lassen. Nur, wenn man seine Haut kennt, kann man sie auch richtig behandeln.

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