Schönheitsschlaf – Realität oder Mythos?

Ooouaaah … gäääähhhn … auch gerade dauermüde? Liegt bestimmt am Herbstwetter. Wenigstens dankt es unsere Haut, wenn wir  abends einfach schon mal eine Stunde früher unter die Decke kriechen. Oder ist der Schönheitsschlaf nur ein Mythos? Wir haben uns auf die Spur des Schlafs begeben und die Schneewitchen-Methode wissenschaftlich unter die Lupe genommen … .

Rund ein Drittel unseres Lebens verbringen wir im Schlaf. Ganz schön viel, wenn man so darüber nachdenkt. Die interdisziplinäre Schlafforschung steckt zwar noch in den Kinderschuhen, aber so viel steht fest: Schlafen ist keine Zeitverschwendung, sondern lebenserhaltende Notwendigkeit. Neben den „Sortierarbeiten“ im Gehirn, die Wichtiges rausfiltern und Unwichtiges löschen, finden im Körper Aufräumarbeiten statt. Dabei werden beispielsweise Eiweiße aufgebaut und freie Radikale, die Zellwände und das Erbgut angreifen können, unschädlich gemacht.

 

Studie: Ohne Schönheitsschlaf weniger attraktiv

Wird also der Körper beim Großreinemachen gestört, kann man uns den Schlafmangel im Gesicht –  und ganz speziell an der Haut – ablesen. Was wohl schon jeder nach einer durchtanzten Partynacht im Selbstversuch festgestellt hat, wurde durch eine schwedische Studie belegt: Durch Schlafmangel wirken wir weniger attraktiv.1
Im Namen der Forschung schlugen sich also 23 Probanden die Nacht um die Ohren und ließen sich nach einem 31-stündigen Wachzustand mit reduziertem Schlaf fotografieren. Zum Vergleich wurden sie auch nach einer geruhsamen Nacht mit acht Stunden Schlaf abgelichtet. Anschließend wurden die Fotos 63 Beobachtern in zufälliger Reihenfolge vorgelegt. Und siehe da: Die Beobachter beurteilten die Personen auf den Fotos als gesünder und attraktiver, wenn die Testpersonen 8 Stunden geschlafen hatten. In der übernächtigten Variante wurden dieselben Testpersonen als weniger attraktiv und weniger gesund eingestuft.2

Die Forscher schlossen daraus, dass wir die Hinweise für Schlafmangel in den Gesichtern unserer Mitmenschen sehr genau wahrnehmen. Wir können ihnen die Übernächtigung quasi an der Nasenspitze ablesen. Deshalb – so die Vermutung – hat Schlafmangel soziale Konsequenzen und wirkt sich auf unseren gesamten Alltag aus.3

Doch woran erkennen wir, dass jemand zu wenig geschlafen hat? Hinweise liefern die Augen, der Mund und die Haut – also jene Gesichtsregionen, die für Kommunikation eine besondere Rolle spielen.4

  • Augenpartie bei übermüdeten Menschen: schlaffere Augenlider, gerötete Augen, geschwollenere Augen
  • Mundpartie bei übermüdeten Menschen: hängende Mundwinkel
  • Haut: blassere Haut, dunkle Ringe unter den Augen, mehr Falten und Linien

 

Schönheitsschlaf als Anti-Aging-Methode

Der Schönheitsschlaf spielt jedoch nicht nur für unser Sozialleben eine Rolle, sondern wirkt sich direkt auf die Hautalterung aus! Britische Forscher stellten fest, dass chronische Schlafstörungen die Funktion der Hautbarriere einschränken und die Haut entsprechend weniger Schutz bietet. Dadurch wird beispielsweise die hauteigene Feuchtigkeit weniger zurückgehalten und dampfte schneller ab (erhöhter transepidermaler Wasserverlust, kurz: TEWL).
Außerdem fanden die Forscher heraus, dass sich die Haut bei dauerhaftem Schlafmangel schlechter regeneriert: Nach einem Tape-Stripping, bei dem die Hautbarriere leicht abgetragen wird, erholte sich der natürliche Schutz bei chronisch übermüdeten Testpersonen langsamer. Ihr TEWL lag nach 72 Stunden um 30 % höher als bei ihren schlafstörungsfreien Testkollegen. Auch durch UV-Strahlung ausgelöste Hautrötungen (Erythmen) heilten bei den ausgeschlafenen Probanden signifikant besser ab.5

Warum macht schlafen schön?

Wie bei vielen physiologischen Prozessen unterliegt auch die Haut einer inneren Uhr, die von inneren und äußeren Faktoren (Gene / Sonne, die wiederum die Ausschüttung von Hormonen beeinflusst) gesteuert wird. Dieser zeitliche Rhythmus bietet Vorteile, denn so kann sich die Haut tageszeitenabhängig bestimmten Bedingungen anpassen: Tagsüber steht ihre Schutzfunktion im Vordergrund, damit wir gegen Umwelteinflüssen wie z.B. Sonne, Wind, Hitze, Keime und Abgase gewappnet sind. Mittags ist beispielsweise die Sebumproduktion am höchsten6 und bietet maximalen Schutz gegen Austrocknung7. Gleichzeitig kann ein saures Milieu entstehen, das eine wichtige Barriere gegen Keime und negative Umwelteinflüsse bildet. Dadurch ist die Haut vor Infektionen, Reizungen und Allergien gewappnet.

Nachts nimmt die Barrierefunktion der Haut ab, denn unser Schutzorgan stellt sich auf Regeneration ein. Gesteuert wird dieser Prozess von verschiedenen Wachstumshormonen, die dafür sorgen, dass neue Zellen entstehen und Wunden heilen. So zeigten Hautbiopsien, dass mittags kaum neue epidermale Zellen entstehen, am späten Abend hingegen die Neubildung ihr Maximum erreicht.8

Schönheitsschlaf – wie sich die Haut erholt

Bei Nacht sinkt die Körpertemperatur leicht ab und die Wärme wird über die Haut abgeleitet. Dadurch steigt bei Nacht die Durchblutung der Haut9 und lässt uns nach erholsamem Schlaf mit einem rosigen Teint erwachen. Zusätzlich sorgt die Entspannung der Muskulatur für eine bessere Durchblutung bis in die feinsten Kapillaren (Mikrozirkulation). Sehr gut, denn so können die Zellen besser mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt werden!
Auch der Aminosäuregehalt der Haut ist nachts erhöht.10 Das ist wichtig für den Regenerationsprozess, denn Aminosäuren zählen zu den Energieträgern und Grundbausteinen der Haut. Die Aminosäure Kreatin kann beispielsweise vom Körper selbst gebildet werden und spielt eine wichtige Rolle für den Energiestoffwechsel. Außerdem ist sie für die regelmäßige Zellerneuerung in der Haut zuständig und ist am Aufbau von Bindegewebe wie Kollagen und Elastin beteiligt.

Spezielle Nachtpflege: ein Muss?

Während der Fokus bei Nacht auf die Hautreparatur gerichtet ist, tritt die Schutzfunktion in den Hintergrund. Dies macht sich durch den Anstieg des transepidermalen Wasserverlusts bemerkbar. Viele Kosmetikhersteller bieten deshalb spezielle Nachtcremes mit besonderen Pflegestoffen an. Denn durch die reduzierte Barriereleistung sollen Pflegestoffe „bei Nacht besser in die Haut eingeschleust“ werden können. … Klingt irgendwie nach Schmugglern, die bei Nacht und Nebel heimlich Hyaluronsäure, Retionol und Coenzym Q10 durch den Sebumschutzwall der Epidermis manövrieren :)

Das Verbrauchermagazin Ökotest sieht das Ganze jedoch relativ nüchtern:11

Es sei zwar nachgewiesen, dass sich die Aufnahmefähigkeit der Haut im Laufe des Tages verändert und prinzipiell in den Abendstunden am höchsten sei. Doch seien diese Unterschiede nicht speziell für die Gesichtshaut, die sich von anderen Hautarealen unterscheide, gezeigt worden.

Für die Nacht gilt also dasselbe wie für den Tag: Falten lassen sich nicht einfach wegcremen.

Eine dem Hauttyp angepasste Versorgung mit Feuchtigkeit und Fett kann der Haut guttun, solange hochwertige pflanzliche Öle und Fette, Antioxidantien und Vitamine zum Einsatz kommen und auf potenziell belastende Stoffe wie zum Beispiel UV-Filter, Parabene, Erdölprodukte, Silikone, Duft- und Farbstoffe verzichtet wird.

Bettflüchter oder Langschläfer?

Übrigens: Wie viel Zeit Menschen für ihren Schönheitsschlaf brauchen, ist sehr unterschiedlich. Sieben bis acht Stunden gelten als durchschnittliche Schlafdauer. Es gibt aber auch Bettflüchter, die mit nur fünf Stunden auskommen und Langschläfer, die sich erst nach neun oder zehn Stunden Schlaf erholt fühlen.

Zählst du zu den Kurz- oder Langschläfern? Und hast du ein bestimmtes Abendritual, um deine Haut auf die Nacht vorzubereiten? Verrate es uns :) wir sind gespannt auf deinen Kommentar!

 

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