pH-Wert: hautneutrale VS basische Hautpflege

Es gibt kaum ein Thema in der Kosmetikbranche, bei dem zwei Ansichten so unvereinbar sind, wie bei der Diskussion um den richtigen pH-Wert von Hautpflege. Um einen Einblick in die zwei gegensätzlichen Positionen bei diesem Thema zu verschaffen, führen in diesem Beitrag Dr. Mantel und Heilpraktiker Basitsch ein Streitgespräch. Am Ende erklären wir auch, wie wir bei hautTATSACHEN die ganze Sache sehen.

 

pH-Wert bei Kosmetik: unvereinbare Sichtweisen

Calw, 10.5.2016 *

hautTATSACHEN: Guten Tag Dr. Mantel, Herr Basitsch. Vielen Dank, dass Sie sich Zeit nehmen, mit uns zu sprechen. Sie sind beide Experten in Ihrem jeweiligen Feld.

Herr Basitsch: Vielen Dank für die Einladung. Ich freue mich, hier zu sein und hoffe, die Ansichten der PRO-Basischen-Pflege so gut wie möglich zu vertreten.

Dr. Mantel: Ich bin mir sicher, es wird ein sehr interessanter Austausch.

hautTATSACHEN: Ich habe ein paar allgemeine Aussagen zum Thema vorbereitet. Ich würde Sie bitten, diese Aussagen zu kommentieren. So werden Ihre unterschiedlichen Standpunkte hoffentlich am besten klar.

Beide Interviewpartner stimmen durch bedächtiges Kopfnicken zu.

 

Aussage #1: Der pH-Wert beschreibt, wie sauer oder basisch eine wässrige Lösung ist. Dabei reicht die Skala von 0 (sehr sauer) bis 14 (sehr basisch). Die 7 wird allgemein als neutral angesehen.

 

Dr. Mantel: Das ist richtig. pH ist eine Abkürzung für die lateinischen Worte: potentia Hydrogenii. Dies ist eigentlich ein Maß für die Wasserstoffionenkonzentration. Der pH-Wert erlaubt uns, den Unterschied zwischen Säuren und Laugen (Basen) zu beschreiben.

Herr Basitsch: Ja, das stimmt. Die Zahl beschreibt auch, wie sauer oder basisch eine Lösung reagiert. Reines Wasser zum Beispiel hat den pH-Wert 7 und ist damit komplett neutral, also weder sauer, noch basisch.

pH-Skala

 

Aussage #2: Der pH-Wert der menschlichen Haut liegt im leicht sauren Milieu.

 

Dr. Mantel: Richtig. Zwischen 4,5 und 6,8. Dieser kann je nach Körperregion varrieren. Man nennt dies auch Säureschutzmantel. Er besteht aus Talg, Schweiß und Hornzellen. Studien haben gezeigt, dass er die Haut schützt, indem er das Wachstum von schädlichen Bakterien und Keimen hemmt. Die Neutralization dieses Schutzmantels kann zur Störung der Hautbarrierefunktion führen und damit potentiell Krankheiten auslösen.

Herr Basitsch: Ich bin da ganz anderer Meinung. Es stimmt, die Haut der meisten Menschen hat ein saures Milieu. Das ist aber nicht der natürliche Zustand der Haut. Neugeborene haben komplett basische Haut. Und die Haut eines Babys beschreibt doch den Idealzustand: weich, gesund. Erst mit der Zeit übersäuern unsere Körper durch Ernährung und saure Produkte. Ja, wir übersäuern so sehr, dass die Niere und der Darm nicht mehr alleine damit umgehen können. Dann scheidet auch die Haut Säuren aus und dadurch kommt das saure Milieu zustande. Das ist aber kein Säureschutzmantel. So ein Schutzmantel hört sich natürlich super an. Besonders wenn man Produkte verkauft, die auch einen sauren pH-Wert haben.

Dr. Mantel: Neugeborene haben noch keinen Säureschutzmantel, da sie im Mutterleib keinen brauchen. Ein Neugeborenes hat auch noch kein ausgeprägtes Immunsystem. Das muss sich erst entwickeln. So ist es auch mit dem Hautschutzmantel. Dieser entwickelt sich ja von Natur aus schon nach ein paar Tagen oder Wochen. Das ist also kein Argument. Hautneutrale Produkte (pH-Wert 5,5) sind dafür ausgelegt, dass sie den Schutzmantel nicht beeinträchtigen. Es ist bekannt, dass basische Produkte wie Seifen die Haut angreifen, austrocknen und den Schutzmantel stören.

Herr Basitsch: Das ist nicht wahr. Die Vergangenheit zeigt es doch! Vor den 50er Jahren gab es nur basische Pflegeprodukte. Erst seit es saure Hautpflege gibt, steigt die Zahl der Menschen, die unter Hautkrankheiten und Allergien leiden. Basische Pflegeprodukte lösen die Säuren von der Haut, um sie in ihren natürlichen Zustand zurück zu führen. Man sieht es auch an anderen, lebensgebenden Elementen. Meersalz ist basisch, Blut ist basisch, Fruchtwasser ist basisch.

Dr. Mantel: Hautkrankheiten und Allergien werden nicht durch hautneutrale Pflegeprodukte verursacht. Da ist eher die gesteigerte Hygiene schuld. Wir leben in immer hygienischeren, sterileren Verhältnissen. Das viele duschen, baden, reinigen … auch gerade mit Seifen führt zur Austrocknung und Neutralisation des Säureschutzmantels. Dadurch kommt es dann vermehrt zu Hautkrankheiten und Allergien. Und übrigens, Blut und Fruchtwasser befinden sich im Körper und haben keinen Kontakt zur Außenwelt.

Herr Basitsch: Basische Seifen und Pflegeprodukte trocknen die Haut nicht aus. Die Haut hat durch die Übersäuerung ihre natürliche Fähigkeit verloren, sich nachzufetten. Man muss die Haut erst wieder in einen Zustand versetzen, in dem sie in der Lage ist, dies wieder zu tun.

hautTATSACHEN: Bitte entschuldigen Sie, aber es scheint, als würden sie sich in dieser Sache nicht mehr einig werden. Sie haben auch schon einige Aussagen diskutiert, die ich noch vorbereitet hatte, so wie die vermehrten Hautkrankheiten und Allergien. Damit wir uns nicht mehr wiederholen, würde ich Sie bitten abschließend Ihre Position kurz zusammen zu fassen.

Herr Basitsch: Der saure pH-Wert der Haut ist kein erstrebenswerter Zustand. Der gesunde, natürliche pH-Wert der Haut liegt bei fast 7. Um diesen zu erreichen, können basische Pflegeprodukte eingesetzt werden. Diese wirken der Übersäuerung unseres Körpers entgegen.

Dr. Mantel: Wir könnten uns nicht uneiniger sein. Die gesunde Haut hat einen natürlichen Säureschutzmantel bei dem der pH-Wert durchschnittlich bei 5,5 liegt. Dieser sollte erhalten bleiben, damit die Haut gesund bleibt und nicht belastet wird.

hautTATSACHEN: Vielen Dank an Sie beide.

* Zu beachten: Dieses Interview ist fiktiv. Wir haben die Gesprächsteilnehmer frei erfunden, mit dem Ziel die Positionen zum pH-Wert von Hautpflege anschaulicher und interessanter darzustellen. Die Aussagen sind manchmal bewusst übertrieben dargestellt. Wir möchten damit niemanden zu nahe treten und haben in keinster Weise die Absicht, jemanden zu beleidigen.

 

Welchen Standpunkt vertritt hautTATSACHEN, wenn es um den pH-Wert geht?

Wir tendieren zu der schulmedizinischen Sicht und denken, dass die Haut mit “Absicht” einen Säureschutzmantel hat, der zur Gesundheit des Menschen beiträgt. Wir glauben auch nicht, dass der Säureschutzmantel Resultat einer ungesunden Lebensweise ist.

Warum haben dann hautTATSACHEN Produkte einen pH-Wert von 6 bis 6,8  und nicht 5,5?

Von Anfang an stand für uns fest, dass wir gesunde Haut nicht belasten wollen und dadurch auch nicht in den natürlichen Hautzustand eingreifen möchten. Nun muss man verstehen, dass unseren Cremes ein ungepuffertes pH-Wert-System zu Grunde liegt. Um dies besser zu erklären, gibt es hier eine Abbildung:

Puffer-System pH Wert

Eine Creme mit gepuffertem pH-System ist so konzipiert, dass sie die Zugabe einer bestimmten Menge an Säuren bzw. Basen ausgleichen kann (siehe gekennzeichneter Abschnitt auf der orangenen Kurve der Grafik). Das heißt, die Creme kann einen bestimmten Umgebungs-pH-Wert (pH-Wert der Haut zum Beispiel) an den eigenen pH-Wert anpassen (solange der Umgebungs-pH-Wert nicht zu sehr vom Creme-pH-Wert abweicht). Zum Beispiel kann eine gepufferte Creme dann den pH-Wert der Haut anheben oder niedriger einstellen. Dadurch kann ein gepuffertes pH-Wert-System in den Hautzustand eingreifen. Eine ungepufferte Creme wie die von hautTATSACHEN passt sich dem pH-Wert der Haut an. Sie kann also von außen beeinflusst werden. Damit greift sie nicht in den Hautzustand ein.

Warum ist uns dies wichtig?

Der natürliche pH-Wert der Haut kann schwanken. 5,5 ist nur eine Durchschnittsangabe. Je nach Körperregion, Tageszeit, Ernährung, etc. kann der pH-Wert der Haut sich verändern. Manchmal wird er sogar saurer (bei Krankheiten zum Beispiel). In diese natürlichen Prozesse wollen wir nicht künstlich eingreifen, da wir die Haut dadurch belasten könnten. Deshalb verwenden wir ein ungepuffertes System bei unseren Cremes.

Ein weiterer Grund für unseren pH-Wert ist die Augenverträglichkeit. Mit einem fast neutralen pH-Wert wird das Auge nicht irritiert, wenn man sich mal ausversehen etwas Gesichtscreme ins Auge schmiert. Eine saure oder basische Pflege würde da vermutlich brennen (schon mal etwas Zitronensaft oder Seife ins Auge bekommen?).

Ein weiterer Vorteil ist die Möglichkeit, milde Emulgatoren und Konservierungsstoffe anwenden zu können. Viele natürliche Konservierungsstoffe, wie z. B. Fruchtsäuren, kommen zwar in der Natur vor, sind aber an sich eher aggresiv. Unsere pH-Wert-Spanne trägt also schon bei der Auswahl unserer Inhaltsstoffe zur Verträglichkeit des Endproduktes bei.

 

 

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