Hautfeuchtigkeit messen mit dem Corneometer

Wieso verwenden wir Hautcreme? Es gibt viele Gründe. Die Haut soll weich und geschmeidig sein, sie soll glitzern, sie soll länger jung bleiben, etc. Doch in erster Linie soll Creme die Haut pflegen. Und wie macht sie das? Indem sie der Haut Feuchtigkeit zuführt.

Warum ist Feuchtigkeit wichtig für die Haut?

Ohne Feuchtigkeit verliert die Haut ihre Elastizität, wird trocken und kann dadurch rau und schuppig werden.1 Die Haut braucht auch Feuchtigkeit, damit sie ihre Barrierefunktion (Schutz vor Umweltfaktoren, physischem & chemischen Stress) ausführen kann. Diese Aufgabe liegt zu 90% im sogenannten Stratum Corneum (die äußerste Schicht der Epidermis).2 Mit Hautpflege unterstützen wir also unsere Haut dabei, richtig zu funktionieren.

Warum sollte man Hautfeuchtigkeit messen?

Gefällt dir die Creme X? Ja, die fühlt sich so schön geschmeidig an. Findest du das Creme X deine Hautfeuchtigkeit um mehr als 10% verbessert? Ähhh… schwer du beantworten.”

Ob einem eine Creme gut gefällt oder nicht, ist eine sehr subjektive Entscheidung und eine Frage, die man gut beantworten kann. Gefühle kann man aber schlecht vergleichen und konkrete Wirkaussagen bekommt man auch nicht. Deswegen ist eine objektive Messmethode wichtig, wenn man Produkte vergleichen oder ihre Wirkung testen will. Ob und wie sehr eine Creme die Hautfeuchtigkeit verbessert, ist ja auch nicht nur für den/die AnwenderIn interessant, sondern auch für Hersteller, Verbraucherschützer und Produktbewerter (z.B. Stiftung Warentest oder Blogger).

Wie kann Hautfeuchtigkeit gemessen werden?

Es gibt viele verschiedene Messmethoden: Infrarotspektroskopie, Resonsanzfrequenzmessung, Nukleare Magnetische Resonanzmessung, Messung der Desquamation, Impedanzmessung.3 Die Messmethode, die aber weltweit am meisten verwendet wird, ist die kapazitive Messung mit einem Corneometer.4

Hautfeuchtigkeit messen Corneometer

Hautfeuchtigkeitsmessung mit einem Corneometer

Der Corneometer macht sich die elektrische Leitfähigkeit von Wasser und die dielektrische (schwach oder nicht leitende) Eigenschaft der Haut, besser gesagt des Stratum Corneum (äußerste Hautschicht) zu Nutzen. Der Corneometer misst also die elektrische Kapazität der Haut. ??? So habe ich auch am Anfang reagiert. Ist aber gar nicht so schwierig. Die Grundlage der Hautfeuchtigkeitsmessung mit dem Corneometer besteht auf folgendem Prinzip:
Je höher der Wassergehalt in der Haut, desto höher ist auch die elektrische Leitfähigkeit (Kapazität).1 D.h. wenn der Corneometer eine hohe elektrische Leitfähigkeit (Kapazität) misst, dann ist die Hautfeuchtigkeit auch hoch.

Ablauf der Messung

Die Messsonde wird auf das zu testende Hautareal gelegt. Zwischen der Sonde und der Haut wird eine kleine Glasplatte gelegt (damit Strom nicht direkt durch die Haut geleitet wird). Die Sonde hat einen Kondensator, der ein elektrisches Streufeld aufbaut. Während der Messung wird das Stratum Corneum von dem Streufeld durchdrungen, damit die Sonde die elektrische Leitfähigkeit (Kapazität) und somit die Hautfeuchtigkeit messen kann.1
Der Corneometer wandelt den Leit-/Kapazitätswert in einen digitalen Messwert um.3 Wenn man dann nach wiederholter Messung mehrere Messwerte hat, kann man diese vergleichen. Der Wertunterschied kann dann in Prozent ausdrückt werden und man kann eine Aussage wie „Die Hautfeuchtigkeit hat sich um x % verbessert“ tätigen.

Hautfeuchtigkeit messen - Sondendetails

Im Prinzip kann man die Hautfeuchtigkeit an jeder beliebigen Stelle messen. Die Sonde des Corneometers ist ja relativ klein. Es wird aber oft am Unterarm getestet, da man dort mehrere Produkte nebeneinander auftragen (so wird eine Testung billiger) und den linken Arm mit dem rechten vergleichen kann.2 Was man aber wissen sollte ist, dass die Hautfeuchtigkeit allgemein nicht überall gleich ist. So ist die Haut von Natur aus an manchen Körperstellen besser mit Feuchtigkeit versorgt, als an anderen (z.B. Stirn, Handflächen versus Bauch, Ellbogen).2 Dadurch erhält man an verschiedenen Körperstellen unterschiedliche Hautfeuchtigkeitsergebnisse.
Um zu bewerten, ob eine Creme die Hautfeuchtigkeit beeinflusst hat, braucht man Werte zum Vergleichen. Der Zeitpunkt der Messung spielt dabei eine wichtige Rolle und kann das gemessene Ergebnis beeinflussen. Ein Beispiel: Um das natürliche Hautfeuchtigkeitslevel einer Person festzustellen, findet die Messung einige Stunden nach der letzten Hautreinigung statt. So hat die Haut Zeit gehabt ihren natürlichen Schutzmantel wieder herzustellen. Dies ist der erste Messzeitpunkt. Die zweite Messung findet einige Stunden nach dem Auftragen der Creme statt. So wird sicher gestellt, dass der Wasseranteil der Cremes verdunstet ist und der Cremefilm verschwunden. Dies ist eine Messvariante. Man könnte aber auch direkt vor und direkt nach dem Auftragen messen. Dadurch erhält man meist bessere Ergebnisse, da das Wasser der Creme noch direkt auf der Haut liegt. Bessere Ergebnisse sind natürlich besser zu verkaufen, obwohl diese Messvariante realitätsferner ist.5 Auch die Jahreszeit spielt eine Rolle. Im Winter ist Haut generell trockener als im Sommer, z.B. durch die Heizungsluft. So kommt man bei einer Messung im Winter normalerweise zu besseren Ergebnissen. Also wie du siehst, sind die Details oft entscheidend.

Was man wissen muss beim Interpretieren von Ergebissen:

Jeder Mensch und dessen Haut ist einzigartig. Deswegen ist ein Testergebnis auch nicht auf jeden Menschen übertragbar. Warum? Nun ja, je trockener die Haut eines Menschen ist, desto mehr kann sich die Hautfeuchtigkeit verbessern. Jemand mit normaler Haut hat ja von Natur aus mehr Hautfeuchtikeit, als jemand mit trockener Haut.
Wenn die Hautfeuchtigkeit also z.B. an 20 Probanden gemessen wurde, erhält man am Ende einen Durchschnittswert. Dies ist dann ein Orientierungswert und kein Garantiewert. Aber auch wenn man keine Garantien für X % Verbesserung bekommen kann, ist es doch ein guter Indikator für die Wirkung einer Creme.

Warum bekommt niemand die Ergebnisse zu sehen?

So, jetzt weißt du wie man Hautfeuchtigkeit testen kann. Jetzt die Frage: Schon mal so einen Test zu Gesicht bekommen? Unternehmen veröffentlichen solche Testungen normalerweise nicht. Selbst Stiftung Warentest veröffentlicht keine Prozentzahlen, sondern nur Bewertungen in Form von Noten. Warum ist das so? Trauen Unternehmen ihren Kunden nicht zu, die Ergebnisse richtig zu verstehen?

Was glaubst du? Würden dich die Ergebnisse eines Hautfeuchtigkeittests interessieren? Lass uns wissen was du denkst!

 

Fandest du den Artikel hilfreich? Dann lass uns dich doch weiterhin informieren:

 

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1 Uni Hamburg

2 Fluhr. J. (Ed). Practical Aspects of Cosmetic Testing. Berlin Heidelberg 2011

3 Pharmazie Lehrbuch Kapitel 7.1

4 Courage-Khazaka GmbH

5 Dermaviduals

Vielen Dank für das Beitragsbild:

water drops (16/365) by Tim Geers, on Flickr
Creative Commons Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic License   by  Tim Geers 


2 Kommentare

    1. Es ist ja eine gute Methode um zu sehen was eine Kosmetik leisten kann. Aber man muss halt den Kontext auch sehen können und natürlich verstehen.

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