Die Story zum Film “Blogger gegen Mikroplastik”

Bevor wir euch erzählen, wie unsere Aktion „Blogger gegen Mikroplastik“ gelaufen ist, möchten wir zuerst noch etwas loswerden: Nämlich ein großes Dankeschön mit extra Zucker oben drauf an all die wunderbaren Bloggerinnen und ihre Leser/innen, die diese Aktion unterstützt haben!

Okay: Ihr wart klasse – jetzt müssen wir auch liefern. Also haben wir beschlossen dort hin zu gehen, wo es weh tut. Oder zumindest Überwindung kostet.

Blogger gegen Mikroplastik
mmmmh, braun-grüne Algensuppe

Ausgesucht haben wir uns deshalb einen Abschnitt der Nagold (90 km langer Fluss, der durch den Schwarzwald fließt), der mit dichten, braungrünen Algenteppichen bewachsen ist, in denen sich Abfälle verfangen, die einfach nicht vergehen wollen.

Da der Algenwald vom Ufer aus nicht erreichbar ist, mussten Boote her. Leider herrscht in der Nagold im Moment Ebbe, weshalb sie mit Holzkanus nicht befahrbar ist. Deshalb haben wir zwei Schlauchboote aus der hinteren Kellerecke gegruschtelt – zugegebener Maßen nicht ganz stilecht, aber dafür auch für Flachwasser-Kapitäninnen geeignet.

Mikroplastikaktion hautTATSACHEN
Nicht ganz stilecht – aber auch für Landratten geeignet

 

Leider hat es zwei Tage vor unserer Aktion noch geregnet und die Strömung der Nagold war recht munter. „Halb so wild“, dachten wir, und starteten mit den Luftbooten zu einem Probelauf. Nachdem wir jedoch binnen Sekunden unkontrolliert kreiselnd 15 Meter flussabwärts trieben und uns nur mit unelegantem, leicht panischem Gepaddel ans Ufer retten konnten war klar, dass ein Strategiewechsel her musste.
Deshalb schipperten wir gemeinsam in einem Boot los, einer rechts paddelnd und der andere links, und siehe da: wir waren plötzlich manövrierfähig!

Mikroplastikaktion hautTATSACHEN
… sicher ist sicher!

Zusätzlich wurde Nicole, die eigentlich nur die Zeit stoppen und die Aktion dokumentieren sollte, zu unserem Rettungsanker und sicherte mit einer Wäscheleine unser Boot – für den Fall der Fälle.

Nachdem wir den Dreh erst mal raushatten, steuerten wir mitten in das glitschige Algendickicht, um es von Zigarettenkippen, Styropor, Plastiktüten, Flaschen und Dosen zu befreien. Dabei fühlten wir uns wie Rainbow Warriors – yeah ;)!

Während wir uns langsam flussabwärts gearbeitet haben, wurde uns nochmal so richtig klar, worin der Kern des Problems besteht: Große Plastikstücke wie z.B. Plastikflaschen ließen sich verhältnismäßig leicht aus dem Wasser fischen. Komplizierter wurde die Sache schon mit sonnengebleichten, porösen Folien, die beim Anfassen in kleine Stücke zerfielen und die vielen, vielen, winzigen Styroporkügelchen brachten uns schier zur Verzweiflung.

Dieses langlebige Material sollte einfach niemals in der Natur – und schon gar nicht im Wasser landen!

Mikroplastikaktion hautTATSACHEN
… unser erster Fang!

Während Laura & ich uns gewissenhaft einen Algenteppich nach dem anderen vornahmen und möglichst akkurat reinigten, gab die Sonne alles und machte uns die Aufgabe mit schwülen 30 °C Grad nicht gerade leicht: unsere Haut wechselte trotz Sonnenschutz allmählich ins Krebsfarbene und unsere Klamotten waren gleichmäßig nass – unten von Flusswasser und oben durchs Schwitzen.

Inzwischen hatte unsere Aktion auch bei den Leuten am Ufer Aufmerksamkeit erregt. Die wunderten sich, warum zwei erwachsene Frauen mit dem Schlauchboot auf dem Wasser rumpaddelten. Was suchen die da? Kleine Tiere? Pflanzen? Ach, die fischen Plastikmüll aus dem Wasser – klasse! Und wie finanzieren die sich – über Spenden?!

Nicole war am Ufer was also nicht nur Kamerafrau, Regisseurin & Rettungsanker in Personalunion, sondern auch Auskunft und Info-Point! Richtig cool – und auch motivierend – war das viele positive Feedback. Besonders freute sich ein niederländisches Urlauberpaar, das die Aktion von der Terrasse eines Biergartens aus beobachtet hatte: „Das Wasser sieht jetzt viel sauberer aus – und vor allem fließt das alles jetzt nicht nach Holland!“

Übrigens: Auch mit den braungrünen Algen freundeten wir uns immer mehr an, in denen sich unzählige kleine Fische tummelten.

Nachdem die Algen wieder schön sauber waren, nahmen wir uns noch das dichtbewachsene Ufer vor. Unglaublich, wie viele Kronkorken und Kippen achtlos in die Landschaft gepfeffert werden.

Mikroplastikaktion hautTATSACHEN
… hat sich gelohnt.

Laura & ich stöhnen noch heute über unseren Muskelkater vom vielen Bücken und in die Hocke gehen ;)

Und weil so viele Leser so fleißig kommentiert haben, blieb – nachdem das Ufer blitzeblank war – immer noch so viel Zeit, dass wir uns eine neue Location, ca. 25 km weiter flussabwärts, vornehmen konnten. Es handelte sich um eine eigentlich traumhaft schöne – jedoch völlig zugemüllte Flussaue. Hier – zwischen Scherben, Flachmännern und Hundehaufen – wurde unser Durchhaltevermögen noch mal gehörig auf die Probe gestellt. Aber es hat sich gelohnt: Binnen weniger Minuten waren unsere Sammelbehältnisse randvoll und wir konnten verhindern, dass beim nächsten kräftigen Regen der ganze Schrott mit dem Wasser davongetrieben wird.

Mikroplastikaktion hautTATSACHEN
… ja, es hat auch so gerochen, wie es aussieht!

Tja, und manchmal ist man einfach nur ratlos, wenn man sieht, was so alles im Wasser landet: Neben unzähligen Plastiktüten, Tetrapacks und Dosen stießen wir auch auf einen Roller und ein Kinderfahrrad, das schon richtig lange im Wasser gelegen haben muss. Der Geruch dürfte mit dem der algen- und muschelbewachsenen Piraten aus „Fluch der Karibik“ vergleichbar sein. Auf dem Weg zum Recyclinghof mussten wir alle Fenster aufreißen, um die Fahrt irgendwie zu überstehen. Puhhh …

Nach insgesamt sieben Stunden (Bruttozeit), verteilt auf zwei Tage, kamen wir schließlich verschwitzt, schmutzig und erschöpft – aber auch ziemlich zufrieden beim Recyclinghof an. Das Ergebnis: 30 Kilogramm Müll waren zusammengekommen, den wir noch gewissenhaft nach Hartplastik, Folie, Glas, Papier und Restmüll getrennt haben. Tschacka!

Mikroplastikaktion hautTATSACHEN
das hautTATSACHEN-Team hofft auf viele weitere “BLOGGER-GEGEN-MIKROPLASTIK-TAGE”!

Unser Fazit: Wir haben in der Nettosammelzeit von 3:56 h so viel Müll zusammenbekommen, dass es sich wirklich gelohnt hat und ein deutlicher Vorher-Nachher-Effekt zu sehen war. Wir haben auch viele Passanten erreicht, die sich zum ersten Mal über dieses Thema Gedanken gemacht haben und vielleicht in Zukunft bewusster einkaufen werden. Vielleicht nicht gleich morgen, aber sicherlich in absehbarer Zeit, können wir uns vorstellen, diese Aktion zu wiederholen – vielleicht dann mit der Beteiligung weiterer Unternehmen, Schulklassen, Leser, Blogger. Wir hoffen auf viele weitere „BLOGGER-GEGEN-MIKROPLASTIK-TAGe“!

 

Falls du es ganz genau wissen willst:

 

11 Kommentare

  1. Ihr seid großartig! Vielen Dank, dass ihr euch so furchtlos und tatkräftig für uns in die Wogen gestürzt habt! Die Aktion hat mir ja nochmal ganz neue Erkenntnisse in Sachen Wasserverschmutzung gebracht. Und Wahnsinn, welchen “Ertrag” an Plastikmüll ihr da rausgefischt habt – traurig eigentlich.

    1. Wir waren auch schockiert was wir alles gefunden haben. Uns sind die Plastikflaschen sogar mit der Strömung von flussaufwärts entgegen gekommen. Aber das wirklich fiese, sind transparente Plastikfolien, die in der Sonne brüchig werden. Die sieht man nicht.

  2. Ah, wie toll…in meiner Zeit habt ihr ja sogar das Fahrrad und den Roller gefunden *hehe*…da bin ich ja ganz stolz, auch wenn ich selbst natürlich nicht so tatkräftig angepackt habe wie ihr zwei x) ! Ich liebe euer Engagement und super, dass ihr alles so schön dokumentiert habt!
    Eine tolle Aktion, vielen Dank für’s Sammeln (: ! Ich mache auch in Zukunft gern wieder mit, egal was ihr euch als nächstes einfallen lasst (: ! Liebe Grüße an euch 2 (und natürlich das restliche Team).

    1. Ja das Fahrrad war wirklich eine Herausforderung. Auch wenn du nicht am Fluss dabei warst, ohne dich wäre es uns auch nicht möglich gewesen so viel Zeit in das Projekt zu stecken. Also, vielen Dank!

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